Mit sehr schönen Erinnerungen an den Roadtrip durch Kroatien im Frühjahr 2019, wollte ich in den freien Tagen über Weihnachten ein weiteres Land Südosteuropas erkunden. Nach langem Überlegen und einiger Recherche fiel meine Wahl auf den kleinen Staat Montenegro. Er soll mit einer sehr abwechslungsreichen Landschaft, gastfreundlichen Menschen und dem einzigen Fjord im Mittelmeer seine Besucher überzeugen. Ich war im Vorfeld sehr gespannt auf diese Reise und freute mich riesig, Montenegro kennenzulernen.

Der Flug ging direkt in die Hauptstadt Podgorica. Einen Besuch ist die Stadt aber nicht wert. Eine schöne Altstadt habe ich vergeblich gesucht und selbst ein nettes Restaurant konnte ich nur schwer finden. Hinzu kommt der oft rücksichtslose Fahrstil der Einheimischen (nirgends anders war es so schlimm wie in Podgorica).

Deshalb fuhr ich am ersten Tag so direkt wie möglich hinaus aus der Hauptstadt in Richtung Küste. Mein erstes Ziel war der Skadarsko jezero. Es ist der größte See der Balkanhalbinsel und liegt zum Teil in Albanien. Eine kleine Bergstraße schlängelt sich oberhalb des Ufers am Berg entlang und bietet immer wieder tolle Ausblicke. Leider regnete es die ganze Zeit, die Wolken hingen tief und entsprechend schlecht war die Sicht und die Möglichkeit das Auto auch einmal zu verlassen. Das, was ich aber sehen konnte, hat mich sehr fasziniert: Die Berge ragen direkt aus dem See steil empor und bilden so eine beeindruckende Landschaft. Es ist zudem eine sehr einsame Gegend, nur ab und an stehen ein paar Häuser an der Straße. Ich fuhr den gesamten See entlang bis hinunter an die albanische Grenze, bevor es in die Stadt Bar ging, dem heutigen Ziel.

Zu Beginn des zweiten Tages konnte ich in einer Regenpause die Altstadt von Bar („Stari Bar“) erkunden. Sie ist etwas oberhalb der Küste am Berg erbaut und bietet neben alten Häusern auch eine tolle Festung („Tvrđava Stari Bar“). Viel Zeit blieb mir hier leider nicht, denn es fing wieder an zu regnen. Also ging es weiter an der montenegrinischen Küste entlang gen Norden. Mein nächster Halt war Sveti Stefan, eine Hotelinsel für wohlhabende Leute. Die Insel wird sogar bewacht und ist nur gegen ein Eintrittsgeld von 10€ zu erkunden. Dafür wollte ich mein Geld nicht ausgeben, deshalb fuhr gleich weiter nach Budva. Die Stadt mit ihrer schönen Altstadt stand auf meiner To-Do-Liste für Montenegro. Es regnete mittlerweile aber so stark, dass es für mich keinen Sinn gemacht hat, auszusteigen. Mit einem kurzen Zwischenstopp ging es schließlich weiter in Richtung meines heutigen Ziels: Kotor, die Stadt am Fjord.

Kotor, die wohl schönste Stadt Montenegros, darf auf dieser Reise natürlich nicht fehlen. Im immer noch strömenden Regen trat ich durch eines von drei Stadttoren in die Altstadt ein. Trotz des Wetters waren zu meinem Erstaunen die Gassen fast menschenleer. Allerdings standen einige Teile der Stadt ein paar Zentimeter unter Wasser. Nach dem Abendessen hörte des schließlich ganz auf zu regnen. So konnte ich die Stadt ein wenig besser erkunden. Kotor gefiel mir sehr gut, wenn es auch vom Baustil sehr an die kroatischen Küstenstädte wie Zadar und Spilt erinnert. Ich wollte nun unbedingt noch die oberhalb der Altstadt liegende Festung erkunden. Mit der Stirnlampe bewaffnet lief ich die Festungsmauer hinauf bis weit oberhalb von Kotor. Von dort hatte ich einen fantastischen Blick auf die erleuchtete Bucht! Allein in der dunklen Festung war es schon etwas gruselig.

Auch der dritte Tag begann regnerisch – na toll! Die Bucht von Kotor (dem einzigen Fjord des Mittelmeeres) heute zu erkunden, fiel also ins Wasser. Ich entschied mich schließlich ins Auto zu steigen und wenigstens so etwas von der Gegend zu sehen. Eine kleine Bergstraße führt von Küste hinauf nach Njegushi und weiter in die Berge. Wenn das Wetter mitspielen würde, gibt es hier tolle Ausblicke auf die Bucht. Aber je weiter ich den Berg hoch fuhr, desto nebliger wurde. Am frühen Nachmittag hörte der Regen endlich auf. Daraufhin unternahm ich ein kleine Wanderung auf den Lovcen, den höchsten Berg rund um Kotor. Im dicken Nebel und bei stürmischen Wind lief ich etwa eine Stunde und eine Stunde wieder zurück. Naja, schön ist irgendwie anders. Am Abend fuhr ich wieder hinunter nach Kotor und weiter bis Herceg Novi am nördlichen Ende der Bucht. Empfangen wurde ich von einem super netten Gastgeber, der mir sogar ein leckeres Essen zubereitet hat!

Am nächsten Morgen erwachte ich bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 16°C. Was für ein Kontrast du den vergangenen Tagen! Heute konnte ich endlich die erste richtige Wanderung unternehmen. Ausgesucht habe ich mir dafür den 1679 m hohen Subra, einen der drei Hauptgipfel des Orjen-Gebirges nahe der Küste. Zunächst führt ein Schotterweg hinauf zur Bergsteigerunterkunft „Za Vratlom“. Von dort führt ein Pfad weiter durch die herrlich karge Landschaft.