Stormchasing am 10.05.2018

Mein erstes Chasing alleine und mit Auto schien zunächst zur Enttäuschung zu werden. Ich war schon etwas frustriert über viele umsonst „verfahrene“ Kilometer. Doch die letzte Zelle, die ich ansteuerte, brachte dann die erhofften schönen Eindrücke! Aber der Reihe nach.

Der gestrige Feiertag (Christi Himmelfahrt) begann fast schon traditionell mit der Radtour zusammen mit meinem Radteam nach Karlovy Vary (Karlsbad) und zurück. Der Tag startete ja mit herrlichem Wetter und so versprach es, eine schöne Tour zu werden. Als wir den Rückweg antraten, hatte sich westlich der Stadt bereits eine schöne Cucon entwickelt, die wenig später zu einer ersten kleinen Gewitterzelle wurde und mich auf den letzte Kilometern auch nass werden ließ.

Die letzten Kilometer nach Hause fuhr ich dann im Eiltempo, da es regnete und der Blick aufs Satellitenbild verriet, dass es in meinem „Jagdgebiet“ bereits beginnt auszulösen und ich somit schnellst möglich aufbrechen wollte.

Zu Hause angekommen hieß es erstmal duschen, essen und Radar checken.

Das Blitzradar zeigte eine kleine Zelle nahe Chemnitz und eine etwas östlich vom Fichtelberg. Ich entschied mich Richtung Chemnitz zu fahren. Meine Hoffnung war, dass sich diese Zelle noch etwas entwickelt, da ja noch Warmluft vorhanden war und dort hatte ich noch die Option, andere Wege einzuschlagen, falls diese Zelle nichts wird.

Und das wurde sie auch. Mehr als Regen und den ein oder anderen Blitz brachte die Zelle nicht hervor. Strukturmäßig war nichts zu sehen. Ich fuhr nun auf der A4 Richtung Dresden und dann die B169 über Döbeln bis zur A14. Ich hoffte wenigstens auf einen schönen Blick auf die Wolke selber, wenn ich nördlich von ihr stehe. Die Bundesstraße führte mich durch das intensive Niederschlagsgebiet der kleinen Chemnitzer Zelle. Etwas nördlich der A14 bei Gadewitz hielt ich für eine kleine Fotopause an, mehr als den Niederschlagskern konnte ich aber nicht erkennen:

Beim Laufen auf dem Feld wurde ich bei jedem Schritt in eine Staubwolke gehüllt.

Nun war ich schon viele Kilometer gefahren und hatte außer Regen noch nichts gesehen…Nicht einmal einen schönen Blick auf die Gewitterwolke an sich gab es…Ich schaute mir den Himmel und das Radar an und war mir unsicher, wo es nun hingehen sollte. Das Radar verriet, dass in Sachsen eigentlich nichts mehr los ist…Außer südlich von Dresden über dem Elbsandsteingebirge erkannte ich im Stormtrackingradar noch eine Zelle mit Zugrichtung Norden.

Da ich eh über die A14 nach Hause fahren würde, fuhr ich diese schließlich Richtung Dresden. Ich war noch nicht lange aufgefahren, musste ich auch schon wieder abfahren, denn am Horizont war schon der schöne Amboss der Cb bei Dresden zu sehen:

Der Blick zurück mit dem Rapsfeld im Vordergrund war auch nicht ganz so schlecht:

Nun war ich mir sicher, dass ich genau die Dresdner Zelle ansteuern werde. Doch erstmal hieß es vor Dresden mit 60km/h durch eine Kilometer lange Baustelle zu schleichen. :( 
Bei Dresden kam hinter den Wolken die Sonne zum Vorschein und zauberte einen gespaltenen Regenbogen auf die dunkle Gewitterwoke vor mir. Anhalten war leider etwas schwierig, deshalb hab ich blind aus dem Auto fotografiert:

Interessant auch, der Regenbogen in den aufgewirbelten Tropfen des vor mir fahrenden Autos. Etwas später mit einen anderen Winkel zur Sonne war noch ein größerer Teil des Regenbogens genau vor mir durch aufgewirbelte Tropfen:

Der Autofahrer vor mir und die Autoschlange hinter mir werden sich auch gewundert haben, warum ich nicht überhole. :grins 

Nach kurzer Zeit war der Sonnenschein weg und ich fuhr in die Dunkelheit hinein. Der Regen wurde auch immer intensiver bis ich nur noch so wenig gesehen habe, dass ich keine 80 mehr fahren konnte. Das dauerte zum Glück nicht lange und „auf der anderen Seite“ zeigte sich nun endlich schöne Strukturen. Bei Burkau fuhr ich kurz von der Autobahn ab, über erkannte ich einen Whalesmouth:

Jetzt wollte ich gerne noch ein wenig Abstand zu der Zelle haben, denn immer noch regnete es und für einen besseren Bick kann das natürlich auch nicht schaden. Also gleich wieder auf die A4 aufgefahren und weiter ging es Richtung Bautzen. Ich nahm gleich die nächste Ausfahrt bei Uhyst am Taucher. Und fuhr auf einer kleinen Straße Richtung Nordwesten. Es regnete immer noch…Und das Regengebiet saß mir im Nacken. Die Straßen und Orte wurden immer kleiner, es war nicht die ideale Infrastruktur fürs Stromchasing und schon gar nicht, wenn man eigentlich vor die Zelle kommen will. Ich hätte einfach noch länger auf der Autobahn bleiben sollen.
An einem Feldweg hielt ich nochmals an, denn die Struktur der Zelle sah schon interessant aus:

Immer noch war ich für meinen Geschmack zu nah an der Zelle, denn über mir blitze es immer wieder. Also schnell wieder ins Auto und weiter ging es.

Im nächsten Ort, Siebitz, waren große Teile der Straße überflutet. Da muss es also vorher schonmal ziemlich geregnet haben:

Ich hielt mich weiter Richtung Norden, später führte mich die Straße nach Osten. Ich wollte eben vor die Zelle kommen, auf den kleinen geflickten Straßen eigentlich kaum möglich. Zwischendurch hielt ich nochmal an, um einen Blick auf die Karte zu werfen. Ich war nahe an der Bundesstraße 96. Also fuhr ich zur B96 und dann weiter Richtung SO nach Bautzen. Mittlerweile hatte ich ein Stück Abstand gewonnen und befand mich ziemlich genau unter der Böenwalze. Ein Foto aus dem Auto:

Bei Schwarzadler legte ich eine kurze Fotopause ein. Die Wolkenstrukturen faszinierten mich:

Bei Bautzen West fuhr ich wieder auf die A4 weiter Richtung Görlitz, ich wollte weiter Abstand gewinnen, auch um das Schauspiel etwas genießen zu können. So langsam neigte sich der Sprit dem Ende zu…
Nun gab es eine recht lange Zeit erstmal keine Ausfahrt. Ich fuhr schließlich bei Weißenberg ab. Nur wenige Meter Fahrt und es gab einen Feldweg als perfekten Standort. Der Anblick der heranziehenden Zelle mit Böenwalze und Shelfcloud war einfach großartig:

Ich blieb etwa eine Viertel Stunde an dem Standort. Währenddessen machte ich ein Zeitraffer:

Nun wollte ich nochmal versuchen weiter vor die Zelle zu kommen. Also zurück auf die Autobahn und weiter Richtung Görlitz. Nun kam wiederum ewig keine Ausfahrt und dann auch noch ein 5km langer Tunnel. Erst nach dem Tunnel konnte ich runter fahren. Da war gerade auch eine Tankstelle und es hieß erstmal tanken und eine Kaffee kaufen :grins 

Anschließend ging es die Landstraße noch etwas gen Nordenwesten bis kurz vor Niesky. Mittlerweile war ich aber schon zu weit weg von der Zelle und diese zog auch eher nach Norden als zu mir. Dennoch war es ein schöner Anblick, zumal die Sonne von hinten auf den Regen schien und diesen leicht rot färbte:

Hier habe ich ebenfalls ein Zeitraffer aufgenommen:

Nachdem die rote Färbung verschwunden war und es wieder leicht anfing zu regnen, machte ich mich schließlich auf den Heimweg. Mittlerweile war ich doch etwas geschafft von dem Tag, schließlich war ich vormittags ja schon 116km mit dem Bike gefahren :grins 
Die Fahrt war sehr entspannt und so tuckelte ich zufrieden, dass das Chasing doch noch erfolgreich verlief, nach Hause.
Insgesamt waren es nach meinem Geschmack zu viele Kilometer, aber was solls…Es hat schließlich Spaß gemacht.

Davon abgesehen, dass ich unterwegs oft kaum Empfang hatte, fand ich es schwierig zu fotografieren, den Himmel zu beobachten und das Schauspiel zu genießen, zu navigieren und noch die Radarkarten zu verfolgen. Von Dresden bis Niesky, also während der spannenden Zeit, habe ich so gut wie nie aufs Handy geschaut und bin eher „der Nase nach“ gefahren (wie gesagt hatte ich schlechten Empfang, aber selbst wenn ich welchen gehabt hätte, hätte mir die Zeit gefehlt!).