5 Etappen auf dem Stubaier Höhenweg

In meinem diesjährigen Sommerurlaub wollte ich gerne etwas Neues ausprobieren und entschied mich für eine Hüttentour in den Stubaier Alpen auf dem dortigen Höhenweg. Eingeplant hatte ich dabei sechs Etappen und je einen Tag für den Auf- und Abstieg und ich wollte endlich das erste Mal aus eigener Kraft auf einen 3000er steigen. Davon gibt es im Stubaital ja reichlich Auswahl.

Die erste Nacht verbrachte ich auf der Innsbrucker Hütte in 2369m Höhe. Ich stieg von Gschnitz aus auf, das schien mit 2,5h Wanderzeit der kürzeste Aufstieg zu sein. Da ich erst gegen 18:40Uhr im Ort ankam, war das also perfekt. Dennoch waren es etwa 1100m bergauf. Ich versuchte gleichmäßig und zügig aber nicht zu schnell die ersten Schritte der Wanderung zu gehen. Durch den Blick hinunter nach Gschnitz ließ es sich gut verfolgen, wie ich an Höhe gewann.

Nach gut einer Stunde Wanderung war ich über der Baumgrenze. Das Gelände wurde etwas flacher und ich hatte nun die Innsbrucker Hütte in Sichtweite, es waren aber immer noch 400hm zu überwinden. Ich kam schneller vorwärts als gedacht (vielleicht sogar etwas zu schnell) und war bereits nach 1:45h an der Innsbrucker Hütte angekommen. Ich bekam zum Glück noch eine heiße Nudelsuppe und ein Käsbrot zur Stärkung. Die Nacht verbrachte ich mit fünf anderen Wanderern im Matratzenlager.

Etappe 1, Innsbrucker Hütte – Bremer Hütte

Die erste Nacht war sehr schlafarm, vielleicht eine Folge der Höhe und der mit 22Uhr für mich sehr zeitigen Hüttenruhe. Das Frühstück war leider wenig aufmunternd: Es gab vier Scheiben Brot, einen kleinen Klecks Marmelade, ein kleines Stück Weichkäse und ein Stück Butter.

Bereits um sieben Uhr machte ich mich auf den Weg. Der Himmel war zwar stark bewölkt, dafür gab es in den beiden an die Hütte angrenzenden Tälern ein tolles Nebelmeer. Leider hingen die Wolken sehr tief und hüllten die Berggipfel ein. So war es auch beim 3277m hohen Habicht, der ersten Möglichkeit auf über 3000m zu steigen. Ich ging den Weg ein Stück hinauf, entschied mich aber aufgrund des Wetters nicht auf den Gipfel zu steigen. Dafür genoss ich das Panorama über die beiden mit Nebel gefüllten Täler und die Innsbrucker Hütte. Die Sonne kam auch immer öfter zum Vorschein und verzauberte mit tollen Lichtstimmungen in den noch fast menschenleeren Bergen.

Nach einem zweiten Frühstück bei diesem tollen Panorama machte ich mich auf den Weg zum heutigen Etappenziel, der Bremer Hütte auf 2413m. Der Weg ließ sich gut laufen, er war technisch nicht zu anspruchsvoll, aber sehr lang. Es ging immer wieder 200, 300, … Höhenmeter bergauf und bergab, was zum Ende hin schon an schwindender Kraft zu spüren war.

Weniger schön war, dass sich der Himmel nach anfänglicher Besserung immer weiter eintrübte. Aus dem Tal stiegen immer wieder Wolkenfetzen auf und hüllten die Landschaft in dichten weißen Nebel. So sank die Sichtweite mehrmals innerhalb kürzester Zeit auf weniger als 10m. Hinzu kamen vermehrte leichte Regenschauer.

Nach etwa sechs Stunden Wanderung sah ich schließlich die Bremer Hütte. Es gab nun zwei mögliche Wege. Ich entschied mich für den etwas schwereren über den Lauterersee und einen leichten Klettersteig. Den wollte ich aber nur gehen, wenn es nicht zu rutschig wird. Das war glücklicherweise nicht der Fall, er war sehr gut gesichert und trotz Nässe für mich problemlos zu gehen. Als ich fast am Ende und damit kurz vor der Hütte war, fing es richtig an zu regnen und dicker Nebel zog auf. Das sollte sich für den Rest des Tages nicht mehr ändern.

Halb vier und damit für meinen Geschmack sehr zeitig war ich schließlich an der Hütte und verbrachte den restlichen Tag gemütlich im Trockenen.

Etappe 2, Bremer Hütte – Sulzenauhütte

Laut Wetterbericht war für den heutigen Tag keine Wetterbesserung in Sicht. Der Blick aus dem Fenster war ernüchternd: dicker Nebel, leichter Sprühregen und Temperaturen im unteren einstelligen Bereich. Die Lust heute eine ähnlich lange Etappe wie am Vortag zu laufen fiel sehr gering aus. Zumal die Nacht wiederum sehr schlafarm war.

Aber es half ja nichts und so wanderte ich gegen acht los zum Zwischenziel, der Nürnberger Hütte. Von der vermutlich traumhaften Bergwelt entlang des Weges sah ich nichts. Wenn es viel war, konnte ich vielleicht 100m weit blicken. Meine Schuhe waren nach wenigen Schritten durchnässt.

Da es nicht viel zu sehen gab, war ich auch schon nach drei Stunden an der Hütte angekommen. Hier verweilte ich ein ganzes Stück, um die Kleidung wenigstens ein bisschen trocken zu bekommen und etwas neue Motivation zu schöpfen. Da half ein warmes und stärkendes Mittagessen ganz gut.

Mein Etappenziel hieß aber Sulzenauhütte, die nochmals etwa drei Stunden entfernt war. Also wieder rein in die nun nur noch feuchten Klamotten und raus in das tolle Wetter. Zur Hütte gab es zwei Wege, ich wählte den längeren über die Mairspitze. Während des Aufstieges wurde der Nebel wieder dichter und meine Motivation sank auf den absoluten Tiefpunkt. Ich musste mehrmals länger stehenbleiben, um mich wieder zu motivieren und weiter gehen zu können. Da ist eben auch ein Nachteil, alleine unterwegs zu sein.

Dann endlich kam der Abzweig zur 2781m hohen Mairspitze, meinem ersten Gipfel auf der Wanderung. Nur wenige Minuten vom eigentlichen Weg entfernt hatte ich schließlich einen traumhaften und überwältigenden Ausblick auf den Nebel, so toll wie er den ganzen Tag über noch nicht war. Da es wieder stärker anfing zu regnen, machte ich mich auf zum Abstieg. Etwa eineinhalb Stunden später erreichte ich die Sulzenauhütte auf 2191m.

Kurz vorher war ich so weit unten, dass ich mich unter den Wolken befand und endlich etwas mehr von der Landschaft zu Gesicht bekam. Aber nicht nur das, nicht weit von mir entfernt huschten ein paar Murmeltiere vorbei.

Etappe 3, Sulzenauhütte – Dresdner Hütte

Die dritte Nacht war endlich etwas erholsamer. Und da der Wetterbericht zum Mittag Besserung versprach, war ich guter Dinge. Dennoch setzte sich das Wetter vom Vortag erst einmal fort. Mein heutiges Ziel war die Dresdner Hütte auf 2308m. Dorthin gab es wiederum zwei verschiedene Wege. Ich entschied mich natürlich für den längeren und anspruchsvolleren über den Hohen Trögler. Während des Aufstieges konnte ich manchmal schon etwas blauen Himmel durch die Wolken schimmern sehen.

Das Wetter des vergangenen Tages brachte noch eine kleine Überraschung mit sich: Aufgrund der kühlen Temperaturen hatte es in den hohen Lagen geschneit. Mit jedem Meter, den ich höher kam, wurde der Schnee mehr. Es war nicht sehr viel, etwa 2-3cm. Da ich aber der erste war, der den Weg gelaufen ist, musst ich die Markierung manchmal ein bisschen suchen.

Nur wenige Meter vor dem Gipfel riss die Wolkendecke schließlich auf und mir eröffnete sich ein traumhafter Blick ins Stubaital. Zum ersten Mal konnte ich nun auch die Gletscherwelt bestaunen. Auf der anderen Seite des Gipfels, also da wo ich hergekam, hingen die Wolken noch tief und es war nichts zu sehen. An den zahlreichen Berggipfeln hielten sich die Wolken leider ebenfalls noch sehr hartnäckig.

Ich blieb eine ganze Weile auf dem Gipfel des 2902m hohen Tröglers. Erst als die Wolken wieder dichter wurden, entschied ich den Abstieg in Angriff zu nehmen. Aufgrund des nassen Schnees war das eine nicht ganz unrutschige Angelegenheit. Ich konnte das aber ganz gut meistern und war nach etwa einer Stunde an der Dresdner Hütte pünktlich zur Mittagszeit angekommen.

Ein leckerer Kaiserschmarrn versprach Stärkung, denn ich hatte noch ein Ziel vor Augen: den 3225m hohen Hinteren Daunkopf. Auch wenn die Wolken dichter wurden, wollte ich es zumindest versuchen. Die Wolken lösten sich glücklicherweise mehr und mehr auf, je weiter ich lief. Nach zwei Stunden und 900hm war ich schließlich am Gipfelkreuz angekommen. Die letzten Höhenmeter waren noch einmal ziemlich anstrengend, die dünnere Luft machte sich bemerkbar. Es war ein tolles Gefühl, es geschafft zu haben. Ich hatte einen fantastischen Blick auf die Stubaier Berg- und Gletscherwelt und die angrenzenden Ötztaler Alpen.

Da es nur bis halb sieben Abendessen gab, musste ich mich recht zügig wieder auf den Rückweg machen.

Etappe 4, Dresdner Hütte – Neue Regensburger Hütte

Der vierte Tag oben in den Bergen begann tatsächlich einmal mit blauem Himmel und Sonnenschein. Für mich ging es heute zur neuen Regensburger Hütte auf 2286m. Zunächst ging es hinauf zum Egesennieder und dann ein ganzes Stück wieder hinunter, bevor es bis zum höchsten Punkt an diesem Tag sehr viel bergauf ging. Ich machte noch einen Abstecher zum Mutterberger See, in dem sich die umliegenden Berge wunderschön spiegelten.

Nach etwa vier Stunden erreichte ich die höchste Stelle der Etappe, den 2881m hohen Grawagrubennieder. Von hier weg führte der Pfad über ein riesiges Geröllfeld hinunter Richtung Hütte. Einen Weg gab es nicht, nur hier und da eine Markierung. Das erforderte nicht nur Trittsicherheit sondern, wie ich fand, auch viel Konzentration. Es hat mir aber auch viel Spaß gemacht von Stein zu Stein zu springen. Irgendwann war ich so im Flow, dass das sogar richtig flott ging. Bis zur Hütte wanderte ich weiter durch ein ziemlich breites von Gletschern geformtes Tal, was ich sehr imposant fand.

In der neuen Regensburger Hütte gab es zur Stärkung erstmal einen sehr leckeren Kaiserschmarrn. Ich würde sogar sagen, den leckersten, den ich je gegessen habe!

Danach wollte ich die Kreuzspitze besteigen. Leider hatte ich aufgrund des Abendessens um sechs nicht mehr so viel Zeit und ich musste ein hohes Tempo laufen, um mein Ziel zu erreichen. Aber nach gut zwei Stunden stand ich neben dem Gipfelkreuz in 3085m Höhe. Der Himmel hatte sich mittlerweile zugezogen und aus dem Tal, in dem die Hütte lag, stieg dicker Nebel auf. Zur anderen Bergseite hin war das Wetter noch besser. Als ich gerade mit dem Abstieg begann, fing es dann auch noch zu regnen an. Der Abstieg hielt ein paar schwierigere Stellen bereit, die ich eigentlich nicht so gerne bei Nässe gehen wollte.

Nachdem ich die gefährlichsten Stellen hinter mich gebracht hatte, ließ der Regen nach, die Wolken rissen auf und die Sonne kam zum Vorschein. Im abziehenden Regenschauer entstand zu meiner großen Überraschung ein schöner Regenbogen. Da musste ich natürlich noch eine Pause einlegen und die Stimmung genießen, bevor ich weiter absteigen konnte.

Die neue Regensburger Hütte war zu Abendessen sehr voll und ich musste mir den Tisch mit vier anderen Wanderern teilen. Zusammen mit zwei Holländern und zwei Kufsteinern fand der Tag einen sehr lustigen Ausklang.

Etappe 5, Neue Regensburger Hütte – Starkenburger Hütte

Zu Beginn meiner fünften und letzten Etappe hielten die Stubaier Alpen fast schon lieb gewonnenes Wetter bereit: dicker Nebel und Sprühregen. Ich hatte eigentlich geplant heute nur bis zur Franz-Senn-Hütte zu laufen. Vier Stunden sollte es bis dorthin dauern, für eine Tagesetappe für mich zu kurz. Zwar hätte ich von dort noch einen weiteren Gipfel besteigen können, das schied für mich aber aufgrund des Wetters und meiner doch schwindenden Kraft aus. Also entschied ich kurzer Hand bis zur Starkenburger Hütte, der letzten Hütte des Stubaier Höhenwegs, zu laufen.

Am höchsten Punkt der heutigen Etappe, dem Basslerjoch (2830m) auf etwa halbem Wege zur Franz-Senn-Hütte, rissen die Wolken mehr und mehr auf und die Sonne kam zum Vorschein. Zwischendurch gab es noch den ein oder anderen Schneeschauer.

Der Abstieg zur Hütte war ziemlich beschwerlich, es ging über ein sehr langes Geröllfeld. Einen richtigen Weg gab es da nicht. Pünktlich zur Mittagszeit war ich dann aber an der Franz-Senn-Hütte und es gab, genau, einen leckeren Kaiserschmarrn.

Fast genau um zwölf machte ich mich schließlich auf zur Starkenburger Hütte. Sechs Stunden Wanderzeit waren ausgeschildert. Der Weg, das wusste ich, war nicht mehr sehr anspruchsvoll und es waren nur wenig Höhenmeter zu überwinden. Mein Blick schweifte immer wieder zurück zur Franz-Senn-Hütte. Die Hütte eingebettet in ein vom Gletscher geformtes Tal und umgeben von dieser tollen Berglandschaft war einfach wunderbar. Da kam ich allerdings auch nicht so schnell vorwärts.

In weiter Ferne am anderen Ende des Tales konnte ich die Starkenburger Hütte bereits erkennen. Sie kam aber nicht so wirklich näher und mir wurde klar, dass sich der Weg noch ganz schön dahinziehen wird! Ich hoffte, mich bei der heutigen Etappe nicht doch etwas überschätzt zu haben. Nach etwa vier Stunden legte ich am Sendersjöchl eine etwas längere Pause zur Stärkung ein und genoss den wunderschönen Blick zurück zur Franz-Senn-Hütte und vor zur Starkenburger Hütte.

Nach insgesamt fast zehn Stunden Wanderung kam ich erschöpft aber sehr glücklich über die vollbrachte Leistung der vergangenen Tage an der Starkenburger Hütte an. Den Tag ließ ich nun noch entspannt ausklingen und genoss den vorerst letzten Sonnenuntergang in den Bergen.

Abstieg nach Neustift

Da ich den Höhenweg in fünf statt wie geplant in sechs Etappen gelaufen bin, habe ich mir in Neustift/Stubaital noch für eine Nacht ein Zimmer gebucht. So konnte ich heute ganz entspannt absteigen. Doch vorher wanderte ich auf den 2611m hohen Burgstall. Von dort gab es einen fantastischen Blick über die Stubaier Alpen, in Richtung Innsbruck und auch die Zugspitze konnte ich sehen.

Am späten Vormittag machte ich mich auf zum Abstieg. Aber statt direkt abzusteigen (es war ja noch früh am Tag) lief ich zur Bergstation der Kreuzjochbahn, weiter zur Galtalalm, dann zur Kaserstattalm und schließlich auf direktem Wege nach Neustift. Der eigentlich als entspannt geplante Abstieg wurde zu einer nochmals anstrengenden Etappe. Am Ende war ich froh, endlich unten in Neustift anzukommen. Irgendwie war es aber ein komisches Gefühl nach fünf Tagen oben in den Bergen wieder in der Zivilisation zu sein (auch wenn die Alpen jetzt nicht so weit davon entfernt sind, immerhin gab es auf einigen Hütten sogar WLan…). Aber ich vermisste in der ganzen Zeit nicht einmal den Komfort, den ein Hotelzimmer bieten würde. Im Gegenteil, ich fand es wunderbar genau darauf zu verzichten und mit mehr oder weniger einfachen Verhältnissen auszukommen. Am liebsten wäre es mir noch gewesen, gänzlich auf das Handy zu verzichten (außer natürlich in Notfällen). Aber das wird vielleicht das nächste Mal 😉


Zum Schluss noch ein paar Daten zur Tour:
Strecke: ca. 103km
Höhenmeter: ca. 8300
Längste Strecke: Neue Regensburger Hütte – Starkenburger Hütte, 25,3km
Meisten Höhenmeter: Dresdner Hütte – Neue Regensburger Hütte – Kreuzspitze, 1715hm
Höchster Punkt: Hinterer Daunkopf, 3225m
Tiefster Punkt (ohne Auf- und Abstieg): 2109m